Niklaus von Flüe und der Friede
«Gehorsam ist die grösste Ehr, die es im Himmel und auf dem Erdreich gibt. Darum sollt ihr schauen, dass ihr einander gehorsam seid.»
Dies diktiert Bruder Klaus aus dem Ranft in seinem Brief an die Ratsherren von Bern. Erst äussert er sich als Praktiker, der im Leben erfahren hat, was es zum Frieden braucht. Dann als Mystiker, der sein ganzes Leben auf der Suche nach dem «Einig Wesen» war und lässt schreiben: «Fried ist allweg in Gott, denn Gott ist der Fried». Als Mystiker und Mann Gottes erfährt Niklaus von Flüe Gott als Urquell des Friedens.
Es ist nicht bekannt, was Bruder Klaus 1481 den Tagsatzungsherren in Stans geraten hat. In seinem Brief an die Berner, 1481, also ein Jahr später, denkt er über «Frieden» nach und fasst seine Erfahrungen und Überlegungen in einfache Worte.
Schon als Richter hat Niklaus von Flüe erfahren, was zum Frieden führt: als Erstes «aufeinander horchen», das Anliegen und die Sorge des Gegenübers, seine Verletzungen und Träume anhören und aufnehmen. Dann «einander gehorchen», dem Gegner einen Schritt entgegengehen, mit ihm ins Gespräch kommen, nach einer Lösung für beide Seiten suchen.
«Einander gehorchen» steht im krassen Gegensatz zum landesüblichen Verhalten der Eidgenossen. Diese lösten Probleme lieber mit Hellebarden als mit Verhandlungen. Ihr raues Gehabe trugen die Landsknechte oft auch in die Familien hinein.
Mit der Regel vom «Einander gehorchen» begründet Bruder Klaus einen neuen Umgangsstil in der Familie sowie eine neue Kultur im politischen Bereich. Bruder Klaus besitzt beides, die Schau in die Tiefe des Glaubens und den Sinn für das konkrete Leben. Mystiker, Mittler und Mensch sind eine Einheit geworden. Er wird für seine Mitbürger glaubwürdig, dies strahlt er bis heute aus.



Das Radbild eröffnet ihm dabei das Geheimnis des Dreifaltigen Gottes: Gott bricht aus seinem innersten Geheimnis heraus, umfasst Himmel und Erde und kehrt in die Einheit, in den Frieden Gottes, zurück.



